An der Nordseeküste

Vor uns liegt dieser nicht enden wollende Radweg. Die Sonne scheint und nur teilweise verdecken einzelne Wolken den Himmel. Vor fünf Kilometern haben wir uns entschieden gleich eine Pause einzulegen. In einem kleinen, gemütlichen Café wollten wir einkehren und bei Kaffee und Kuchen die Beine ausstrecken. So die Idee. Doch weit und breit ist kein Café oder auch nur ein Kiosk in Sicht. Über Google nach dem nächsten Restaurant zu suchen gebe ich auf, als mein Handy die unheimlichen Worte anzeigt: „Kein Netz“. Großartig! Während ich mit aller Kraft in die Pedalen trete, um gegen den Wind anzukämpfen, höre ich von weit hinter mir das Fluchen meiner Schwester. Auch mir tut mittlerweile alles andere weh. Um mir nicht die Blöße zu geben, Antworte ich auf ihr Gezeter: „Du bist eben schlecht im Training. Du musst mal mehr Sport machen, dann tut Dir auch nicht so viel weh!“ während meine Oberschenkel immer stärker zu brennen beginnen.  Am Horizont sehe ich das erste Gebäude seit knapp zweieinhalb Stunden. Ich kann nur hoffen, dass es dort etwas zu essen und zu trinken gibt.

 

 

Ich muss gestehen, es war meine Idee mit den Fahrrädern von Sylt bis nach Hamburg zu fahren. Ich fand die Vorstellung irgendwie ganz idyllisch. Jaqueline, meine drei Jahre jüngere Schwester, irgendwie nicht und willigte erst ein mitzukommen, als ich versprach alle Kosten zu übernehmen. Nun gut, man muss im Leben ja auch Kompromisse eingehen. Den Schädling im Gepäck bin ich nun also seit zwei Tagen unterwegs. Mit der Idylle ist es schon längst vorbei. Statt von den ersten Sonnenstrahlen des Tages zärtlich geweckt zu werden, wälzen wir uns in der Nacht, durch Rückenschmerzen geplagt, hin und her. Der geübte Camper hätte wohl an Isomatten gedacht- wir beide leider nicht. Am Morgen klettern wir völlig gerädert aus dem winzigen Zelt und trotten mit unseren Kulturbeuteln zu den Gemeinschaftsduschen, um uns in die lange Schlage der Wartenden einzureihen. Mit zerknautschtem Gesicht und noch im Halbschlaf putze ich mir die Zähne während Marie-Sophie und Lea-Frederike zwischen den Beinen der Anwesenden fangen spielen. Als im nächsten Moment eine der Kabinentüren aufgeht und Marie-Sophie mit voller Wucht gegen die halb-nackte Frau läuft, die mit einem Handtuch bekleidet aus der Dusche heraustritt, ist das Geheule groß. Ihre Mutter packt die schluchzende Marie-Sophie am Arm und zieht sie hinter sich ins Freie. „ Wir hätten mal nicht in den Sommerferien fahren sollen“ , sage ich an Jaqueline gewandt und verlasse ebenfalls das Gebäude. Das mit der Idylle hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.

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